Die Physiotherapie ist ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Gesundheitssystems. Doch genau hier besteht die größte Fachkräftelücke. Tausende Stellen können nicht mit passend qualifizierten Fachkräften besetzt werden. Das hat weitreichende Folgen.
Im Jahresdurchschnitt 2023/2024 blieben mehr als 47.000 Stellen im Gesundheitswesen unbesetzt. Besonders betroffen: die Physiotherapie. Hier fehlen über 11.500 Fachkräfte, was einem Anteil von 24,5 % der gesamten Fachkräftelücke im Gesundheitswesen ausmacht. Viele Stellen bleiben lange unbesetzt. So sind Arbeitsstellen im Durchschnitt 148 Tage lang gemeldet, bis sie erfolgreich besetzt werden.
Der Verband für Physiotherapie (VPT e.V.) spricht von einem ernsthaften Problem:
Die Lücke zwischen dem Bedarf an qualifizierten Physiotherapeut:innen und dem Angebot an Fachkräften gefährdet inzwischen eine gute Versorgung.
Warum gibt es zu wenige Physiotherapeut:innen?
1. Demografischer Wandel
Mit einer älter werdenden Bevölkerung und einer Zunahme an chronisch degenerativen Erkrankungen steigt der Bedarf an Dienstleistungen im Gesundheitswesen – auch in der Physiotherapie. Gleichzeitig erreichen viele Physiotherapeut:innen das Rentenalter während es wegen sinkender Geburtenraten weniger junge Menschen gibt, die den Bedarf decken können.
2. Hoher Anteil an Teilzeitbeschäftigung
Über die Hälfte aller Erwerbstätigen in der Physiotherapie arbeiten in Teilzeit. Ein Grund dafür ist, dass drei Viertel der Beschäftigten Frauen sind, die häufig aufgrund persönlicher oder familiärer Verpflichtungen ihre Arbeitszeit reduzieren.
3. Herausfordernde Arbeitsbedingungen
Der Beruf der Physiotherapeut:innen erfordert nicht nur fachliche Kompetenz und kontinuierliche Weiterbildung, sondern auch körperlichen Einsatz. Neben der direkten Arbeit mit Patient:innen stellen enge Termintaktungen, umfangreiche Verwaltungsaufgaben und eingeschränkte Entscheidungsspielräume zusätzliche Herausforderungen dar.
Lösungsansätze für die Zukunft
Um die physiotherapeutische Versorgung der Patient:innen zu sichern und dem Fachkräftemangel langfristig entgegenzuwirken, sind strukturelle Veränderungen notwendig. Dazu gehört unter anderem eine Reform der Ausbildung, wie etwa die Abschaffung der Ausbildungskosten und eine stärkere Akademisierung. Zudem könnten verbesserte Arbeitsbedingungen durch weniger Bürokratie (z.B. die Abschaffung der Pflicht zum Zuzahlungseinzug) und eine faire Vergütung erreicht werden. Eine Stärkung der Berufsorganisationen, die die Interessen der Physiotherapeut:innen vertreten und mehr Selbstverwaltung ermöglichen, ist ein weiterer wichtiger Schritt. Um den Beruf für Therapeut:innen langfristig attraktiv zu gestalten, sind nicht nur bessere Arbeitsbedingungen und mehr Eigenverantwortung entscheidend, sondern auch eine angemessene Wertschätzung in der Gesellschaft.
Der Fachkräftemangel in der Physiotherapie ist eine große Herausforderung für das gesamte Gesundheitssystem. Es ist dringend erforderlich, die Rahmenbedingungen zu verbessern, denn jede Physiotherapeutin und jeder Physiotherapeut leistet einen unverzichtbaren Beitrag zu unserer Gesundheitsversorgung in Deutschland!
Weitere Informationen und Hintergründe finden Sie hier:
Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung: Fachkräftelücken belasten wichtige Wirtschaftszweige
Verband für Physiotherapie: Fachkräftemangel in der Physiotherapie
Physio Deutschland: Maßnahmen zur Stärkung der Physiotherapiebranche in Deutschland
